Donnerstag, 11. dezember 2008 4 11 /12 /2008 22:03
"Ist die Welt eine Frage?" haben wir in der Not eines initialen Ausgangspunkts hypothetisch mit 'ja' beantwortet. "Was lässt sich daraus nun machen?" ist die Frage, die wir der so definierten Welt jetzt als nächstes hinzufügen könnten. Weil es sich dabei aber um eine eher abstrakte und in der Folge auch methodische Angelegenheit handelt bzw., damit die Welt nicht in einem rein abstrakten Modell zum Gegenstand dieser Betrachtung wird, benötigen wir einen Gegenstand, mit dem wir arbeiten können. Irgendwie nahe liegt zum Beispiel "Was ist ein Blog?", oder? 
Auf die Frage "Was ist ein Blog?" antwortet der Blog (und wird damit gleichzeitig auch zum Blog): 
"Fangen wir grundsätzlich an und erschaffen den Blog aus einer Kategorie. Generell ist ein Blog schon mal ein Schriftstück, genauergesagt ein Text, und weiterhin ein Produkt. Nach der Ausgangsdefinition ist der Text entweder ein Medium der Welt - wenn er eine Frage stellt -, oder er hat eine Art immanente Relation des Subjekts, wenn er Antworten auf Fragen gibt.  
Was ein Blog für die Welt ist, ist wohl unbestimmbar, denn als Teil der Welt beziehungsweise aus der Perspektive der Welt muss er eine Frage sein und ohne Subjekt, das sich die Frage stellt, ist das nicht viel wert. 
Was ist der Blog für das Subjekt? So wie die Frage "Was ist ein Blog?" in der Welt  üblicherweise beantwortet wird, ist ein Blog offensichtlich ein Medium für die Subjektselbstkonstitution und zwar in Form der Herstellung einer Relation zur Welt und im Rahmen eines (postuliert) freien Veröffentlichungsprozesses. 
Der Prozess ist dabei das eigentlich Entscheidende und ist möglicherweise vorausweisend auch eine Bedingung für die angesprochene Freiheit. Es ist nämlich weder die Veröffentlichung an sich, noch der Inhalt im Einzelnen, der hier differenziert, es ist der Prozess, der durch die Endlosigkeit der Veröffentlichung, also die prinzipielle Unabgeschlossenheit des Textes konstituiert wird und der sich sozusagen konzeptionsbedingt immer in einem Zustand der Bearbeitung hält. Rein theoretisch gesehen also immer in einem Zustand der Nichtaussage oder höchstens der vorläufigen Aussage. Der Blog ist damit kein Werk, er widerspricht einer Werksidee oder Werksdefinition. Er ist ein unendliches Werk, das nur im Prozess zur Wirklichkeit finden kann. Die Idee vom unendlichen Werk geht mit der Behauptung der Unendlichkeit der Welt Hand in Hand. (Und die Welt als Frage wäre eine gute Erklärung für eine mögliche Unendlichkeit, oder? Ein Blog scheint in seiner Anlage der Natur der Welt also - welch Zufall - schon mal sehr nahe zu stehen bzw. wahlweise auch umgekehrt)
Soweit diese Theorie, die im Übrigen isoliert so hilfreich und nützlich ist wie die Antwort "Ja, die Welt ist eine Frage." Im Praktischen ist der Blog natürlich etwas, worin man das antwortgebende Subjekt finden kann. Und zwar nicht statisch dargestellt, sondern lebend in Aktion. Eine beobachtbare Aktion - ein Prozess - hat den Vorteil, dass er eben keine eindeutige Aussage macht und somit nicht Gegenstand einer genaueren Wahrheitsaussage sein kann bzw. muss. Er kann nicht wahr oder unwahr, nicht richtig oder falsch sein. Er kann ein Prozess ohne Sinn oder ohne Ziel sein - ein Prozess, der ins Leere läuft. Das aber schafft den Prozess nicht aus der Welt bzw. aus dem Subjekt. Der Gehalt eines Blogs besteht also, wenn, dann in seiner Struktur, in seiner Dynamik.  
Der Blog ist dadurch auch das, was man landläufig unter "frei" versteht. Er ist allein der Ziellosigkeit wegen frei in Richtung, Inhalt, Umfang usw. Er ist ein minimalistisches Konzept, in dessen Folge er lediglich eine Ebene über der der allgemeinen Kommunikation angeordnet ist und so relativ frei skalier- und interpretierbar ist. (Zur Kommunikation komme ich sicher noch, denn zu fragen und zu antworten heißt ja Kommunikation betreiben oder: der Kommunikation zum Prozess verhelfen. Was auch heißt, dass Welt und Subjekt sich (und das nur) gemeinsam im Kommunikationsereignis manifestieren. Vielleicht heißt das auch: keine Welt ohne Kommunikation. Keine Welt ohne Sprache? Aber das führt schon wieder in die Theorie und wir waren ja eigentlich in der Praxis) 
Der Blog als atelische Poiesis? Freilich! Durch die Konzentration auf die Prozessstruktur gibt es allgemein weniger Widersprüche. "Der Blog ist das Ziel", könnte man Sagen. "Ein Blog ist das Ziel", sollte man vielleicht sagen und "Bloggen ist das Ziel" wäre wohl am richtigsten. Dem Subjekt hat der Blog nämlich einiges zu bieten, zum Beispiel: Postulierten Fragmentismus! Unverbindlichkeit! Einen subjektiven Autonomieraum ohne Regulation! Inspiration durch Sinn- und Werksillusion! Und dabei ist Schreiben ja ein Mittel zielgerichtet anders zu denken: Man denkt anders, wenn man schreibt. Vielleicht denkt man sogar noch anders, wenn man bloggt? Man kann so Dinge anders verstehen, begreifen, erfinden, usw. als im Blog-losen Gedankengang. Hätte ich das geschrieben ohne Blog? Wohl kaum. Eine prinzipiell endlose Produktionskonstellation also und ein Medium in dem die Frage zur unendlichen Antwort findet." 
von Maddawc
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