Dienstag, 27. januar 2009
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16:57
Es gibt nur Wahrheit und Lüge. Entweder etwas ist wahr oder es ist gelogen. Dazwischen sei nichts. Wenn eine Antwort aber Lüge sein kann - und dass sie das nicht
selten ist, lehrt die Erfahrung -, dann muss die Frage in der Konsequenz die eigentliche Wahrheit sein. Und die Antwort eigentlich immer eine Lüge. Damit: die Welt ist eine Frage.
von Maddawc
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Donnerstag, 11. dezember 2008
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22:03
"Ist die Welt eine Frage?" haben wir in der Not eines initialen Ausgangspunkts hypothetisch mit 'ja' beantwortet. "Was lässt sich daraus nun machen?" ist die Frage,
die wir der so definierten Welt jetzt als nächstes hinzufügen könnten. Weil es sich dabei aber um eine eher abstrakte und in der Folge auch methodische Angelegenheit handelt bzw., damit die Welt
nicht in einem rein abstrakten Modell zum Gegenstand dieser Betrachtung wird, benötigen wir einen Gegenstand, mit dem wir arbeiten können. Irgendwie nahe liegt zum Beispiel "Was ist ein Blog?",
oder?
Auf die Frage "Was ist ein Blog?" antwortet der Blog (und wird damit gleichzeitig auch zum Blog):
"Fangen wir grundsätzlich an und erschaffen den Blog aus einer Kategorie. Generell ist ein Blog schon mal ein Schriftstück, genauergesagt ein Text, und weiterhin ein Produkt. Nach der
Ausgangsdefinition ist der Text entweder ein Medium der Welt - wenn er eine Frage stellt -, oder er hat eine Art immanente Relation des Subjekts, wenn er Antworten auf Fragen gibt.
Was ein Blog für die Welt ist, ist wohl unbestimmbar, denn als Teil der Welt beziehungsweise aus der Perspektive der Welt muss er eine Frage sein und ohne Subjekt, das sich die Frage stellt, ist
das nicht viel wert.
Was ist der Blog für das Subjekt? So wie die Frage "Was ist ein Blog?" in der Welt üblicherweise beantwortet wird, ist ein Blog offensichtlich ein Medium für die Subjektselbstkonstitution
und zwar in Form der Herstellung einer Relation zur Welt und im Rahmen eines (postuliert) freien Veröffentlichungsprozesses.
Der Prozess ist dabei das eigentlich Entscheidende und ist möglicherweise vorausweisend auch eine Bedingung für die angesprochene Freiheit. Es ist nämlich weder die Veröffentlichung an
sich, noch der Inhalt im Einzelnen, der hier differenziert, es ist der Prozess, der durch die Endlosigkeit der Veröffentlichung, also die prinzipielle Unabgeschlossenheit des Textes konstituiert
wird und der sich sozusagen konzeptionsbedingt immer in einem Zustand der Bearbeitung hält. Rein theoretisch gesehen also immer in einem Zustand der Nichtaussage oder höchstens der vorläufigen
Aussage. Der Blog ist damit kein Werk, er widerspricht einer Werksidee oder Werksdefinition. Er ist ein unendliches Werk, das nur im Prozess zur Wirklichkeit finden kann. Die Idee vom unendlichen
Werk geht mit der Behauptung der Unendlichkeit der Welt Hand in Hand. (Und die Welt als Frage wäre eine gute Erklärung für eine mögliche Unendlichkeit, oder? Ein Blog scheint in seiner Anlage der
Natur der Welt also - welch Zufall - schon mal sehr nahe zu stehen bzw. wahlweise auch umgekehrt)
Soweit diese Theorie, die im Übrigen isoliert so hilfreich und nützlich ist wie die Antwort "Ja, die Welt ist eine Frage." Im Praktischen ist der Blog natürlich etwas, worin man das
antwortgebende Subjekt finden kann. Und zwar nicht statisch dargestellt, sondern lebend in Aktion. Eine beobachtbare Aktion - ein Prozess - hat den Vorteil, dass er eben keine eindeutige Aussage
macht und somit nicht Gegenstand einer genaueren Wahrheitsaussage sein kann bzw. muss. Er kann nicht wahr oder unwahr, nicht richtig oder falsch sein. Er kann ein Prozess ohne Sinn oder ohne Ziel
sein - ein Prozess, der ins Leere läuft. Das aber schafft den Prozess nicht aus der Welt bzw. aus dem Subjekt. Der Gehalt eines Blogs besteht also, wenn, dann in seiner Struktur, in seiner
Dynamik.
Der Blog ist dadurch auch das, was man landläufig unter "frei" versteht. Er ist allein der Ziellosigkeit wegen frei in Richtung, Inhalt, Umfang usw. Er ist ein minimalistisches Konzept, in dessen
Folge er lediglich eine Ebene über der der allgemeinen Kommunikation angeordnet ist und so relativ frei skalier- und interpretierbar ist. (Zur Kommunikation komme ich sicher noch, denn zu fragen
und zu antworten heißt ja Kommunikation betreiben oder: der Kommunikation zum Prozess verhelfen. Was auch heißt, dass Welt und Subjekt sich (und das nur) gemeinsam im Kommunikationsereignis
manifestieren. Vielleicht heißt das auch: keine Welt ohne Kommunikation. Keine Welt ohne Sprache? Aber das führt schon wieder in die Theorie und wir waren ja eigentlich in der Praxis)
Der Blog als atelische Poiesis? Freilich! Durch die Konzentration auf die Prozessstruktur gibt es allgemein weniger Widersprüche. "Der Blog ist das Ziel", könnte man Sagen. "Ein
Blog ist das Ziel", sollte man vielleicht sagen und "Bloggen ist das Ziel" wäre wohl am richtigsten. Dem Subjekt hat der Blog nämlich einiges zu bieten, zum Beispiel: Postulierten
Fragmentismus! Unverbindlichkeit! Einen subjektiven Autonomieraum ohne Regulation! Inspiration durch Sinn- und Werksillusion! Und dabei ist Schreiben ja ein Mittel zielgerichtet anders zu denken:
Man denkt anders, wenn man schreibt. Vielleicht denkt man sogar noch anders, wenn man bloggt? Man kann so Dinge anders verstehen, begreifen, erfinden, usw. als im Blog-losen Gedankengang. Hätte
ich das geschrieben ohne Blog? Wohl kaum. Eine prinzipiell endlose Produktionskonstellation also und ein Medium in dem die Frage zur unendlichen Antwort findet."
von Maddawc
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Freitag, 5. dezember 2008
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17:01
...obwohl? Man könnte ja auch auf die Idee kommen, die Welt wäre viel eher eine Antwort. Warum auch nicht? Aber dann wäre doch gleich die
nächste Frage, auf welche Frage die Welt ein Antwort wäre. Und wer überhaupt gefragt hätte. Aber das Entscheidendste wäre wohl: was wäre dann die Aussage
dieser Antwort?
Die Welt soll also eine Antwort sein, die man nicht versteht und deren vorangegangene Frage man nicht kennt? Eine allumfassende Antwort, die gleich zur nächsten
Frage führt? I don't think so.
Die Erfahrung lehrt doch viel mehr, dass man selbst derjenige ist, der andauernd Fragen beantworten muss. Ob man will oder nicht. Ob kann oder nicht. Warum sollte es also in diesem Fall
schon anders sein? Die Welt ist also die Frage.
Nicht die einzige Frage natürlich, eher DIE Frage an sich. Vielleicht ist die Welt das, was uns als Fragen erscheint?
Weniger abstrakt bedacht hieße das, dass der Mensch vielleicht sogar Urheber sowohl der Frage wie der Antwort ist. Und dann ohne Mensch keine Welt. Aber das ist ja nichts neues. Wenn
wir uns aber nun bewußt auf eine Welt einigen wollten - und das sollten wir, wenn wir zivilisiert darin leben wollen -, dann sollte die Welt eher aus der Frage bestehen, denn die Frage taugt
als Ausgangsbasis, als Fixpunkt, als - Wahrheit wesentlich besser, als eine Antwort. Schließlich hat eine Frage den Vorteil, dass sie ganz natürlicherweise unstreitbar
ist. Also keine Konflikte konstituieren kann. Oder in irgendeiner Weise relativ ist. Weder gut noch schlecht. Eine Frage ist doch einfach immer wahr. Wo eine Frage - naja, eben eine
Frage ist, da ist eine Antwort oder Aussage entweder richtig oder falsch. Oder gut oder schlecht. Oder zu knapp oder zu kompliziert. Oder subjektiv. Wie auch
immer. Jedenfalls ist eine Antwort etwas, über was man in Streit geraten kann. Und wird. Vielleicht auch sollte. Soll die Welt aber eine unstreitbare Konstante sein, muss
sie eine Frage sein. Hm?
von Neo Apollo
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